Samstag, 9. Oktober 2010

Einmal ist immer das erste Mal



-One Fine Day in Lübecks Rider’s Café am 16.09.2010-



Ja ja, Guido hat Recht. Donnerstag ist der beste Tag der Woche. Das stimmte auf jeden Fall für dieses Mal. Denn an diesem Tag, den 16.09.2010, konnten wir endlich das neue Album „The Element Rebellion“ mit One Fine Day beim Konzert zelebrieren.
Doch fing der Tag eher langweilig und demotivierend an. Während Nadine noch bis 16 Uhr arbeiten musste, saß ich bis 15 Uhr über den Büchern und lernte. Da mich seit kurz vor 12 Uhr der Demotivationsteufel immer wieder mal ärgerte, ging ich zu anderen Tätigkeiten über. Diese beinhalteten neben sinnlosem Rumlaufen in der Wohnung dann auch das Einsehen meines Kontostands. Eigentlich nicht nötig, hatte ich doch 120€ auf meinem Konto zu verzeichnen. War also auch bloß zum Überbrücken der Zeit. Ich öffnete also die Internetseite, gab ordnungsgemäß die wichtigen und erforderlichen Angaben ein und wartete darauf, dass sich die Übersichtsseite aufbaute. Doch was sah ich da? Mein Kontostand betrug 1,67€. Das konnte doch nicht sein? Ich hatte doch…da mussten doch…wohin? Ich merkte, wie die Nervosität bei mir Überhand nahm und ich langsam in Panik geriet. Diese Panik äußerste sich vor allem darin, dass ich den Chat zwischen Nadine und mir mit Hilferufen vollspammte.
Doch nur mal zur Klarstellung, lieber Leser: Eigentlich wäre auch diesmal mein chronischer Geldmangel kein Problemgewesen, haben wir doch die Konzert-Karten (wie immer) vorher gekauft. Doch fand eben dieses Konzert nicht (wie meistens) in Hamburg sondern in Lübeck statt. Und da musste ich ja nun erstmal mit dem Zug hin. Die Fahrkarte war allerdings noch nicht gekauft. Du siehst also, meine Aufregung war durchaus berechtigt, musste ich doch befürchten, nicht nach Lübeck zu kommen.
Nachdem ich 5 Minuten lang Atemübungen machte, die ich im Nachhinein für Schwangerschaftsübungen halte, rief ich Björnski an, damit er mir auf seinem weißen Ross und in glänzender Rüstung…äh ich meine im schwarzen PIVO und mit Arbeitsklamotten…zu Hilfe eilen konnte. Tat er dann auch. Er holte für mich Geld ab und brachte es mir in der Mittagspause. Ich war also gerettet. Besser gesagt: der Abend war gerettet.
Gegen 15 Uhr ging ich dann so langsam los und zockelte mit dem Zug von Hamburg in Richtung Lübeck, wo mich Nadine dann 17.26 Uhr vom Bahnhof abholen sollte.
Doch nur ganz kurz etwas zum Lübecker Bahnhof: „WOW!!!“ Ich kann nur eins sagen: Eine verlassene Westernstadt, wie man sie in sämtlichen Wild-West-Filmen kennt, ist ein Scheißdreck dagegen. Dort gibt es wenigstens Heuballen, die durch die Gegend kullern. In Lübeck hingegen würde jedem Heuballen die Lust an dieser Tätigkeit vergehen. LAAAAAANGWEEEEIIILIG!!! Es waren keine Menschen auf den 8 (in Worten: acht) Bahnsteigen zu sehen...Ich ließ mich aber davon nicht beirren und schlenderte non chalant Richtung Ausgang. Dort sollte Nadine mit ERNA bereitstehen. Das tat sie dann auch.
Nachdem ich also ins Auto gesprungen bin, fuhren wir auch schon zum Rider’s Café. Dort fanden wir einen VIP-Parkplatz direkt vor dem Club, der noch frei war. Naja, um ehrlich zu sein waren wir 2 Stunden zu früh vor Ort und deshalb gab es noch unzählige Parkplätze. Und mit unzählig meine ich unendlich. Doch bildeten wir uns ein, dass dieser Parkplatz später noch zum VIP-Platz wurde. So waren wir glücklich. Da es uns nicht an Zeit mangelte, machten wir uns wie Sherlock Holmes und Dr. Watson (oder waren es doch Robin Hood und Little John?) auf, das nahegelegene Einkaufscenter unsicher zu machen. War jetzt nicht spektakulär, außer vielleicht Nadines Talent, den Vorgang eines Telefonats mit ihrem Bruder vorherzusagen, oder die Unfähigkeit von Bäckereiangestellten, mir eine Schlemmertasche warmzumachen…aber wie gesagt, alles sehr unspektakulär. Doch schafften wir es, uns dort 1 Stunde aufzuhalten, sodass wir 19 Uhr (also 1 Stunde vor Einlass) wieder vor der Location waren.
Dort setzten wir uns auf Bänke aus massivem, wuchtigem Holz. Irgendwie hatte ich das Gefühl, wir wirkten wie Zwerge darauf, denn wir kamen mit den Füßen nicht auf den Boden. Ja ja, ich weiß, was du jetzt denkst. Ich bin eh schon klein. Trotzdem kam ich mir echt mini vor. Während wir also dort saßen und unsere Füße wie Propeller hin und her bewegten, stellten wir fest, dass wir den Altersdurchschnitt MAL WIEDER erheblich erhöhten. So viele junge Püppchen, bei denen man eigentlich meinte, sie müssten schon im Bett liegen, standen nervös vor der verschlossenen Tür. Ich glaube auch einen Seufzer beim Anblick von Marco von One Fine Day gehört zu haben. Kann mich aber auch geirrt haben. Aber egal!
Gegen 20Uhr ging es dann endlich rein ins kleine aber feine Stübchen. Dort gingen Nadine und ich schnurstracks zur Bühne und positionierten uns. Während sich andere vor die Bühne setzten, blieben wir stehen und entschlossen uns nach kurzer Zeit, unsere Jacken in unsere Taschen zu packen. Da Nadines Tasche ein Stopf- und Verstauwunder ist, glaubte ich, diese Fähigkeit meiner Tasche auch zumuten zu können. Ich ging also frisch ans Werk und fing an, nach und nach Stoffstücke meiner dünnen Jacke in der Tasche verschwinden zu lassen. Während Nadine sich wie ein Zauberer vorkam, da ihre Jacke weg und es der Tasche nicht anzusehen war, fühlte ich mich durch meine Stopfen immer mehr an die Szene aus „Kevin allein zu Hause“ erinnert, in der Kevin für Heiligabend zwei riesige Papiertüten Eingekauftes nach Hause tragen will. Ich bin froh, dass sich diese Geschichte bei mir nicht wiederholt hat. Nach vollendeter Tat erspähten wir auch schon den Merch-Stand und entschieden uns, einen Abstecher dorthin zu machen. Dort machten wir schnell das Objekt unserer Begierde aus; ein weißes handsigniertes Shirt der Band. Wir entschieden uns allerdings, dass Shirt erst nach dem Konzert zu kaufen und gingen wieder zurück zu unserem Platz an der Bühne. Dort lauschten wir der Musik, die aus den Boxen drang, und sahen zu, wie die Bühne nach und nach aufgebaut wurde. Langsam wurden wir ungeduldig, doch rannte die Zeit unaufhörlich und es war schon bald 21 Uhr. Wir machten uns also bereit und nahmen unsere Kameras in Anschlag. Denn die Vorband „She wants Chaos“ enterte die Bühne und spielte eine Stunde den feinsten Rock.
Sie waren echt dufte, und damit meine ich nicht den Geruch; oder doch? Denn irgendwie hielt das Publikum die 1. Reihe vor der Bühne frei. Nadine und ich dachten zu Beginn, dass vielleicht eines der Bandmitglieder stank oder alle Käsefüße hätten (denn sie kamen barfuß auf die Bühne). Doch das konnte aus 2 Gründen nicht der Fall sein: 1. standen Nadine und ich direkt am Bühnenrand, ohne diesen komischen Abstand einzuhalten, und wir rochen nichts dergleichen und 2. himmelte ein Großteil der Mädels den Sänger der Band (Sören ist sein Name) an. Eine trieb es damit aber ganz schön weit, denn sie versuchte ihn regelrecht mit ihrem Blick zu hypnotisieren und wandte diesen keine Sekunde von ihm ab. Da ist nur eines zu sagen: „PSYCHO!!!“
Er ließ sich davon aber nicht beirren und legte eine sehr gute Show mit seinen Bandkollegen hin. Nadine und ich tanzten sogar mit. Leider kannten wir die Songs nicht und konnten somit nicht mitsingen. Doch bei einem Lied wurde uns versprochen, dass dieses Lied definitiv singbar, weil gecovert, sei. Wir glaubten ihm das mal und überlegten, welcher Song es sein konnte. Doch als sie gerade anfingen, den Song zu performen, mussten wir zwei Klappspaten schon schmunzeln. Denn sie spielten Katy Perry mit „California Gurls“. Obwohl es eigentlich sehr bekannt ist, konnten wir schon wieder nicht mitsingen. Lediglich 1 Zeile mit 5 Wörtern („Daisy dukes, bikinis on top“) kannte ich und diese brüllte ich dann immer zur passenden Zeit heraus. Hier zeigte sich, was wir schon immer wussten: Wir sind zu alt! Trotzdem amüsierten wir uns und waren positiv erstaunt, was der Sänger für Töne traf. Sowohl tiefe als auch hohe traf er richtig gut…wir waren begeistert. Nachdem die Band ihr Programm durchhatte, verabschiedete sie sich von uns und überließ somit „One Fine Day“ das Feld.
Nach 20 Minuten ging es auch endlich weiter und Marten, Erik, Marco und Hendrik kamen raus. Sie stellten nun endlich ihr neues Album vor. Wir waren vollends begeistert. Zu Beginn kam der beste Opener ever: „Dare the World“.


Marten legte sich so richtig ins Zeug. Nach zwei Songs kam dann auch Marco ins Schwitzen und zog seine Jacke aus. Ich konnte es kaum fassen, was ich da sah. Nadine wohl auch nicht, denn wir kamen aus dem Strahlen und Lächeln nicht mehr raus. Marco trug das „Dead Man Walking“-Shirt der Donots…und ich trug das „Dead Woman Walking“-Shirt der Donots. Man, wie geil war das denn?!
Wir freuten uns also und hofften inständig, dass Marco das auch irgendwann mal wahrnahm. Aber nichts da...er spielte und spielte und bemerkte nichts. Naja, mussten wir uns damit abfinden. Taten wir dann auch und lauschten weiter dem musikalischen Feuerwerk. Mit Songs wie „My Heart is on fire“ und „New Horizons“ heizten die Jungs der Menge gehörig ein und schafften es, dass wir alle so richtig abgingen. Wir tanzten und sangen was das Zeug hielt. Na gut, das mit dem Singen ist vielleicht ein bisschen übertrieben. Denn da das Album noch nicht in den Plattenläden war, konnten Nadine und ich zumeist nur den Refrain, den wir allerdings gewaltig mitsangen. Doch fanden sich in der „ersten“ Reihe (naja, die wirkliche erste Reihe gab es immernoch nicht, dafür bildete sich zunehmend eine riesige Lücke vor der Bühne) vereinzelt Menschen, die die kompletten Texte kannten und alles mitsangen. Das ließ mich doch ein wenig wundern. Konnte man die Songs etwa schon im Ganzen irgendwo hören und wir haben das nicht mitbekommen??? Ich überlegte und dachte angestrengt nach, doch kam ich zu keinem sinnvollen Schluss. Also musste ich mich damit zufrieden geben, dass andere Leute ein besseres Gedächtnis haben als ich. Doch eh ich mich versah, forderte Marten uns alle auf, in die Knie zu gehen.
Irgendwie fühlten Nadine und ich uns sehr stark an Itchy Poopzkid erinnert und hockten uns hin, während wir aufgrund unseres fortgeschrittenen Alters stöhnten und gleichzeitig unsere Knie knacken hörten…na toll, wie sollten wir denn da wieder hoch kommen? Trotzdem ließen wir uns darauf ein und waren glücklich darüber, dass es bei dem Refrain von „Damn Right“ schon wieder nach oben ging. Dort konnten wir dann wunderbar weiter abzappeln und fühlten nicht mehr so offensichtlich, dass wir doch eigentlich schon alte Schachteln sind. Das Konzert lief und wir hörten all die wunderschönen Songs des neuen Albums.
Erinnern konnten wir uns noch an die meisten und so erhärtete sich auch schließlich unsere Theorie, dass einer von uns beiden „My heart is on fire“ als Single-Wunsch beim Prelistening angeben hatte. Drei oder vier Songs vor Konzertschluss erspähte dann auch endlich Marco mein Shirt und zeigte aufgeregt erst auf mich und dann auf sich selbst. Mit einem breiten Grinsen standen wir beide für eine Sekunde da, doch zu schnell war der Moment vorbei und wir widmeten uns wieder unseren Aufgaben. Leider näherte sich das Konzert dem Ende zu. Marten brachte sein bestes Musikstück hervor und spielte „Emily“. Nadine filmte, ihre Arme auf meine Schultern gestützt, ich bekam eine Gänsehaut. Es war mal wieder wunderschön. Ich muss auch sagen, dass es live der absolute Wahnsinn ist. 
Das letzte Lied, mit welchem die Jungs das Konzert supererfolgreich abschlossen, war „Best Friend“. Hier waren noch mal alle persönlichen Fähigkeiten gefragt. Zuerst sollten wir uns die nebenstehende Person greifen und in den Armen halten, damit wir unter dem Motto Freundschaft neue Bekanntschaften schließen konnten. Taten wir auch und so warfen Nadine und ich uns gegenseitig in die Arme und schlossen Freundschaft…hahaha. Die anderen waren uns dann doch zu jung! Außerdem soll man das mit dem Freundschaften schließen auch langsam angehen lassen.
Nach dem Konzert stürmten Nadine und ich dann endlich zum Merch-Stand, um uns das signierte Shirt zu kaufen. Wir standen dort nun sehr ungeduldig und warteten, dass wir endlich an der Reihe waren. Nach ein paar langen Minuten war es endlich soweit und mit voller Vorfreude bestellten wir zwei dieser Shirts. In unseren Köpfen malten wir uns schon aus, wie genial wir mit eben diesen Shirts aussehen würden…die Scheinwerfer auf uns gerichtet, sahen wir super aus…ach wie hübsch! Doch dann wurden wir unsanft aus unserem Tagtraum gerissen, denn es wurde uns gesagt, dass diese Shirts leider schon ausverkauft wären. DAMMIT!!! Was nun? Schmollend wieder gehen und dem Mädel vom Merch-Stand noch den Mittelfinger zeigen oder lächeln und nach einem anderen Shirt Ausschau halten? Wir entschieden uns schnell für zweites und suchten uns jeweils ein Shirt aus. Weil wir es dann doch nicht lassen konnten, kauften wir uns schließlich noch einen Button und ein Plek. Wir waren nun doch irgendwie glücklich, wenn auch unser Tagtraum komplett zerstört war.
Da wir doch langsam merkten, dass wir schwitzten, gingen wir schnell zur anderen Seite des Raumes (was ganze 5 Sekunden dauerte) und setzten uns an die Bar. Erstmal suchten wir uns was zu Trinken aus. Nachdem wir entschieden hatten, suchten wir die paar Kröten aus der Tasche, die wir für die Getränke brauchten und positionierten uns so, dass die Bardamen uns auch wirklich wahrnahmen. Doch nichts war. Wir warteten und warteten, starrten und starrten, doch die Bartussen (ja, ziemlich schnell kann so ein Begriff umschlagen, wenn man vor dem sprichwörtlichen Wasserloch steht, aber nicht dran kommt) bemerkten uns einfach nicht. Das war schon ziemlich frech, liefen sie doch ständig an uns vorbei und schauten auch immer wieder in unsere Richtung. Wieder könnte man das ja auf unsere Größe schieben, aber das wäre ja zu einfach. Wir fielen schon fast vom Glauben ab, da wurden wir dann endlich nach geschlagenen 5 Minuten (in Worten: fünf!) gefragt, was wir denn nun trinken wollen. Nun kamen wir doch noch an das Wasserloch und durften auch leben. Endlich konnten wir uns an dem frischen Getränk erfreuen und gossen es uns gleich den Hals hinunter. Während wir das taten, drang eine Melodie in meine Ohren, die mir nur allzu bekannt vorkam. Instinktiv sprang ich auf und fing an wie bescheuert zu dem Song abzuzappeln. Nadines Gesichtsausdruck war eine kleine Mischung aus verschiedenen Emotionen. Auf der einen Seite war sie erst total verwirrt, warum ich urplötzlich von meinem Barhocker sprang und Verrenkungen machte. Auf der anderen Seite war sie wohl ein bisschen beschämt darüber, wie ich mich denn so gebärdete. Doch als sie endlich erkannte, dass es Royal Republic mit „Tommy-Gun“ waren, die da gespielt wurden, entspannten sich ihre Gesichtszüge und so freute auch sie sich, dass wir endlich mal außerhalb unserer 4 Wände diese Band hören konnten.
Irgendwann merkten wir, dass es nicht mehr allzu viel in diesem Schuppen zu sehen gab. Somit entschieden wir uns, den nicht sehr beschwerlichen Weg gen Heimat anzutreten. Wir gingen also raus aus dem Rider’s Café und stiegen ins Auto ein. Immernoch berauscht von dem Konzert fuhren wir los. Eine kurze Strecke fuhren wir durch die Stadt, doch schon bald ging es auf die Autobahn, auf der wir dann auch gemütlich durch die Nacht fuhren. Itchy Poopzkid versüßten uns die Fahrt und wir sangen lauthals, wenn auch nicht laut hörbar, mit. Eigentlich war die ganze Fahrt ziemlich langweilig, denn es ging ja immer nur gerade aus. Auch nachdem wir von der Autobahn abfuhren und uns auf einer Landstraße wiederfanden, war es nicht unbedingt aufregend. Wir fuhren, sangen, unterhielten uns und lachten. Die uns entgegenkommenden Autos störten uns nur geringfügig. Doch plötzlich kam uns ein Auto entgegen und versetzte uns in Angst und Schrecken. Nicht, weil es groß oder laut war. NEIN, NEIN! Es warf einen Fuchs nach uns, den es selbst zuvor überfahren hatte. Wir sahen den Fuchs nur fliegen, an ERNA abprallen und merkten nur, wie er unterm Auto langglitt. Plötzlich hörten wir ein Geräusch, was uns nicht sehr bekannt vorkam. Es war ein sehr hoher Kreischton, der aus unseren Hälsen kam. Wir kreischten tatsächlich wie Mädchen und rissen gleichzeitig unsere Augen auf. Dammit, war das ein Schock! Wobei ich nicht sagen kann, ob dieser ausgelöst wurde durch den toten Fuchs oder unserer Fähigkeit, doch wie Mädchen zu kreischen. Nachdem wir uns beruhigt hatten, musste Nadine feststellen, dass ihre Beine weich wie Butter waren. Was für ein Erlebnis!
Die restliche Fahrt verlief ziemlich ereignislos. Wir überfuhren keine Füchse mehr und kreischten auch nicht noch mal wie Mädchen. Stattdessen redeten wir darüber, wie krass das Erlebnis doch eigentlich war und beruhigten uns mit den Songs von Itchy Poopzkid. Bis nach Seehof war es ja nicht mehr weit. Als wir dort ankamen, krauchte ich mit meinen geschundenen Knochen unter das Auto, um den tatsächlichen Schaden abzuschätzen. Ich kann nur eins sagen: „Übel, übel“ sprach der Dübel und verschwand in der Wand! Es hing noch Fell vom Fuchs unter dem Auto und ein bisschen war demoliert. Naja…wir haben es ein bissl fixiert, damit Nadine den restlichen Weg nach Hause fahren konnte. Wir verabschiedeten uns, ich ging rein und berichtete meiner Mutter sofort, was passiert war. Nadine fuhr nach Hause und kam relativ unbeschadet auch dort an. So gingen wir beide mit einem lachenden und einem geschockten Auge ins Bett.
In dem Sinne danken wir vor allem: One Fine Day für das Hammer-Konzert, Björnski, dem super gelegenen Parkplatz, unseren Taschen und She wants Chaos.
Kein Dank geht an: den Autofahrer, den Fuchs, unsere Kreischstimmen, das Psycho-Mädchen, den Merch-Stand ohne unser eigentlich ausgesuchtes Shirt und die Bar-Tussen.

Samstag, 25. September 2010

Hörst du die Wattwürmer husten?

-Ausflug nach Friedrichskoog am 07.08.2010-

♪♫♪…An der Nordseeküste *klatsch klatsch klatsch klatsch*, am plattdeutschen Strand, sind die Fische im Wasser und selten an Land…♫♪♫

Also Fische gab es eher wenige an diesem besonderen Wochenende, denn dieses Wochenende sollte die erste Ausfahrt der Klappspaten markieren, die nicht auf ein Konzert führte. Jaaaaha, auch so etwas soll es bei uns geben… Nagut, vielleicht sollte ich noch erwähnen, dass unser kleiner Ausflug im entferntesten Sinne auch mit Musik zu tun hatte… Aber nur entfernt, denn unsere Inspiration zum Ausflug kam durch ein klitzekleines Tourvideo von Itchy Poopzkid… Dieser Fakt ist aber eher unwichtig… *Ähem* Machte uns die Planung aber auch etwas leichter. Denn als Spikey und ich entschieden, es den Jungs gleichzutun und einen wirklich kurzen Kurzurlaub an der Nordsee zu machen, half uns das Video bei der Recherche nach Sachen, die wir unternehmen könnten… Diese Recherche artete aber eine Woche vorm Ausflug in echte Detektivarbeit aus, denn in dem Video waren keine Adressen oder sonstige Wegbeschreibungen zu finden. Aber dank Google und Google Maps meisterten wir die Suche mit Bravour und so hatten wir einiges auf unserer imaginären To-Do-Liste… Im Vorfeld haben wir noch ein paar Leutchen gefragt, ob sie uns auf unseren Abenteuern begleiten wollten, aber nur Patrick hat endgültig zugesagt. Wahrscheinlich auch, weil wir ihm nicht gleich unsere eigentliche Intention verraten haben… Nunja, drei Leutchen auf großer Ausfahrt ist ja auch schon was…

Schon am Freitag machten Patrick und ich uns mit einem fahrbaren Untersatz (es war mein Auto und trägt immer noch den wohlklingenden Namen ERNA) auf Weg nach Wedel, damit wir Samstag dann nicht mehr ganz so weit zur Nordsee fahren mussten. Dank eines Tipps meines Vaters haben wir die Route durch die Elbchaussee genommen und genossen den schönen Ausblick auf die Elbe, die hübschen Villen und einen Panther… Der war schwarz (oha) und stand im Vorgarten einer dieser Villen… Pottenhäßlich das Teil und absolut nicht vorgartenwürden und zwar nirgends. Auch nicht bei dir, lieber Leser… Wir kamen dann auch recht flink in Wedel an, wo Spikey schon mit leckersten Käsekuchen auf uns wartete… Mittlerweile muss ja jeder wissen, wie sehr Spikey und ich diesen chemischen Kaufhallenkäsekuchen lieben… YUMMIE!!! Leider mussten wir mit Patrick und Jarno teilen und obwohl die beiden noch behaupteten, dass sie diesen Kuchen nicht so gerne mögen, haben sie alles aufgegessen und uns kein Stückchen überlassen… Frechheit!!! Aber wir sind ja nicht so und teilen gerne… Manchmal… Als es dann an die Abendplanung ging, einigten wir uns recht schnell auf Kino, nur bei der Filmauswahl wurde es etwas kritischer… Wie gut, dass wir alle schon von Anfang an Twilight ausschließen konnten. Zur Auswahl standen zuletzt Kindsköpfe und Inception und bei den Stimmen stand es 2 zu 2. Also musste das Los entscheiden und da Spikey Gastgeberin war, durfte sie auslosen, in welchen Film wir gehen würden. Heraus kam dann Inception, mit dem auch alle leben konnten… Also schnell Karten vorbestellen und schnell zur S-Bahn, die uns Richtung Kino bringen sollte. Das „schnell“ verstanden die Jungs nicht so ganz, denn sie schlenderten eher, aber wir haben die Bahn doch noch geschafft und waren dann auch pünktlich im Kino. Gleich zu Beginn des Films habe ich den Witz meines Lebens gerissen… Den werde ich an dieser Stelle jedoch nicht erzählen, lieber Leser, da ich ja weiß, dass du so gerne liest und aufgrund dessen wahrscheinlich noch nie in einem Kino warst und sowieso keine Filme guckst und daher den Witz, der eng mit dem Film Inception verknüpft ist, nicht verstehen würdest… Aber ich möchte dir diese Erfahrung des Kinos herzlichst empfehlen… Schau dir ruhig Inception (und vielleicht auch irgendwann mal Titanic) an… Dann sag mir Bescheid und ich erzähl dir, wenn du lieb fragst, den Witz des Jahrtausends… Spikey und ich konnten uns nach dem Witz jedenfalls für 2-3 Minuten nicht mehr einkriegen… An dieser Stelle würden jetzt einige sagen, dass das bei uns nichts heißt, aber, lieber Leser, hör bitte nicht auf die Vorurteile der „Anderen“… Der Film wurde dann am Ende von allen für sehr gut befunden und so konnten wir uns beruhigt wieder nach Wedel machen. Dort konnten wir dann noch, oh Wunder, die Rockzone schauen und damit waren Spikey und ich endgültig mit dem Tag zufrieden und konnten glücklich einschlafen…

Am nächsten Morgen haben wir uns erstmal Zeit gelassen, was uns so gar nicht so bewusst wurde… Erst, als wir uns dann gegen 11 Uhr dafür entschlossen haben, endlich mal loszufahren, haben wir gemerkt, dass es doch reichlich spät ist… Ooops… Wir machten uns trotzdem gut gelaunt auf den Weg, denn wir wussten ja, was uns alles erwarten würde… Also so ungefähr… Recht zügig und mit guter Roadtripmukke auf den Ohren ging es Richtung Nordsee… Zwischendurch wunderte ich mich auf der Autobahn hin und wieder, warum die anderen alle so langsam fahren, aber geblitzt wurde da nicht, zumindest hab ich deswegen keinen Bescheid bekommen… Irgendwann kam aber der Zeitpunkt an dem sich alle gleich schnell bewegten, nämlich gar nicht… Na toll, Stau steht auf meiner Beliebtheitsskala ja gaaaaanz oben. Nicht. Unserer guten Laune tat das keinen Abbruch und wir sangen lauthals und tanzten, soweit das die Sitzposition im Auto zuließ… Kurz nachdem wir den Stau überstanden haben, konnten wir auch schon von der Autobahn runter und ab dann führten malerische Landstraßen zu unserer Destination. Dieses Stück der Strecke machte uns am meisten Spaß, da es Bodenwellen zu Hauf gab… Immer wieder hielten wir unsere Nasen aus den Fenstern, um zu überprüfen, ob wir schon das Meer riechen könnten, aber das einzige, das man riechen konnte, war Kuhmist… Aaaah, der Duft der Freiheit… Zum Glück erlöste uns dann das Ortseingangsschild „Friedrichskoog“ von der fast unerträglichen Spannung… Auf dem Parkplatz gleich hinterm Deich angekommen, drehten wir uns dreimal im Kreis erspähten den Turm, den wir im Vorfeld zur Orientierung für alles genutzt haben und waren einstimmig der Meinung: DAS war ZU einfach… Eine kurze Stärkung mit Obst später fanden wir uns auch schon am Watt wieder und entschieden, dass wir nicht länger warten konnten… 


So stapften wir also ins Watt. Ist klar, dass wir alle drei uns bei den ersten Schritten fast gepackt hätten, weil es arschglatt war… Aber wir gewöhnten uns schnell an den Schlabberkram da unten an unseren Füßen…


Relativ schnell wurden wir auch mutiger in unseren Bewegungen und probierten sogar Kunststücke. Und dabei packten wir uns kein einziges Mal hin. Hooray!!! 


Dabei ist zu erwähnen, dass das Watt sehr tückisch ist, da kann man sich schon mal an einer versteckten Muschel schneiden oder gar so weit einsinken, dass man nicht mehr herauskommt… Da wir aber sorglose Klappspaten sind, haben wir uns darüber keine Gedanken gemacht und sind immer weiter gewandert und weiter gewandert und weiter gewandert… 


Und dabei entwickelten wir die unterschiedlichsten Taktiken, wie wir das Watt überwinden konnten… Große Schritte, kleine Schritte, schnelle Schritte, langsame Schritte, tiefe Schritte, flache Schritte… 


Wie du siehst, lieber Leser, es mangelte uns nicht an Einfallsreichtum… Wir haben dann irgendwann fast entsetzt feststellen müssen, dass wir schon echt weit raus gewattet sind. Und weil unsere Mägen auch der Meinung waren, machten wir uns auf den Weg zurück zum Festland… Dort angekommen, war es erstmal ein Kampf, das Watt von unseren Füßen und Beinen zu entfernen, aber nach einer Weile sollte es uns doch gelingen… Nach dieser doch sehr langen Wanderung haben wir Mittagspause gemacht und uns erstmal was gegönnt. Patrick und Spikey Fisch (wie sollte es auch an der Nordsee anders sein) und ich ein Eis. Und nebenbei haben wir noch ganz pflichtbewusst Postkarten geschrieben. Ist nett von uns, nicht lieber Leser? Gestärkt konnte es dann auch für uns weitergehen und so drehten wir eine Runde durch den Ort, auf der Suche nach einer Kapitänsmütze für Spikey… Denn an der Nordsee darf eine Kapitänsmütze nicht fehlen… Leider waren wir nicht sehr erfolgreich… Da die Shoppingtour nicht sehr erfolgreich war, musste Fritze von der Spitze uns trösten… 


Hat er gut gemacht, der Fritze… Er war sogar bereit noch Fotos mit uns zu machen… Ein Pfundskerl, der Fritze… Dann war es auch wieder an der Zeit, ein bisschen Sport zu treiben und da kam uns die Minigolfanlage gerade recht… Gleich bei der Kasse wurde Spikey ein unfairer Vorteil verschafft, weil die Kassenfrau ihr den Siegergolfschläger überreichte, aber Patrick und ich nahmen den Kampf an… 


Es war ein spannendes und packendes Golfmatch, in dem sich nicht viel geschenkt wurde, doch gegen Ende zeichnete es sich ab, dass der Siegergolfschläger heute seinen freien Tag hatte… So lautete das Endergebnis wie folgt: Platz 1: Patrick + Nadine, Platz 2: Spikey… Wir machten natürlich noch ein Siegerfoto 


und Spikey bekam sogar noch eine tröstende Umarmung von der Kassenfrau… Völlig niedlich… Danach entdeckten wir ein Polizeiauto für Kinder, was von uns, also Spikey und mir (Patrick hätte nicht reingepasst; und außerdem muss ja jemand die Fotos machen), dann auch exzessiv nutzten… Das war DER Spaß unseres Lebens. Und wie echte Polizisten haben wir uns während unseres Wachdienstes einen kleinen leckeren Snack gegönnt… Ein Eis… Lecker… 


Wir hatten zwar auch ein bisschen Angst, dass wir aus dem Ding nie wieder rauskommen. Doch mit etwas Glück und Wendigkeit haben wir es doch geschafft… Frag aber nicht wie, lieber Leser, denn ich kann mich beim besten Willen nicht mehr erinnern… Dieses Phänomen der Vergesslichkeit nennt man allgemein auch Goldfischamnesie… Okay, das war erfunden, aber es klingt gut… Im Gegensatz zu echten Polizisten haben wir uns dann aber gedacht, dass wir dass fette Eis doch besser abtrainieren sollten. Und da kam uns die Trampolinanlage wie gerufen und wir trainierten uns das Essen 5 Minuten lang wieder ab. 


Obwohl es echt sau anstrengend ist, wenn man nicht in Form ist (so wie ich), hat es trotzdem Spaß gemacht. Wir haben uns dann auch erstmal eine Pause in einem Strandkorb gegönnt, denn die waren aufgrund der fortgeschrittenen Stunde endlich mal frei… 


Doch das Watt übte immer noch eine unfassbare Anziehungskraft aus. Also auf Patrick und Spikey… Die beiden machten nochmal ne kurze Tour durchs Watt, während ich es mir in Ruhe gemütlich machte und den Kindern (Spikey und Patrick) beim Spielen zuschaute… 


Eine mittelschwere Katastrophe ereignete sich dann auch noch, als Spikey bemerkte, dass sie ihr gerade erst gekauftes Armband verloren hat… Ich glaub, dass Spikey fast geweint hätte… Aber Patrick wurde zu unserem Batman, weil er Spikeys Armband am Strandkorb gefunden hat… Und Spikey hatte schon gefürchtet, dass das Armband im ewigen Watt verloren war… Ein Blick auf die Uhr verriet uns, dass wir uns so langsam mal auf den Rückweg machen sollten, weil wir ja abends noch etwas vorhatten. Aber nicht, ohne vorher noch eine Kirschkern-Weitspuck-Wettbewerb zu veranstalten. 


Patrick hat gewonnen, aber das nur mal am Rande… 

Auf dem Rückweg genossen wir noch einmal den Blick auf Weiden Schafe und andere Sachen… Wieder in Wedel angekommen, haben wir schnell Abendbrot gegessen und sind dann auch flink los zum Open Air Kino… Auf dem Weg dorthin wurde Spikey doch tatsächlich von Hubertus mit einer Eichel beworfen. Zur Erklärung sei gesagt, dass Hubertus ein heimtückisches Eichhörnchen war, das Spikey auch nach dem Vorfall noch einige Tage verfolgt hat. Als wir es uns so gemütlich gemacht haben und der Film anfing („Männerherzen“, unbedingt anschauen, weil lohnenswert allein wegen des Songs „Alle Kinder dieser Erde“; nicht fragen, gucken, lieber Leser) und ich so in die doch große Runde schaute, fiel mir auf Spikeys Kopf etwas Großes und Krabbelndes auf… Da hatte es sich doch echt ne fette Spinne gemütlich gemacht… Wie dreist… Doch geistesgegenwärtig hab ich die Spinne dann von Spikeys Kopf geschlagen, ohne Spikey dabei wirklich wehzutun… Ich bin Batman… Vielleicht wollte Hubertus also nur die Spinne mit der Eichel von Spikeys Kopf vertreiben… Ist der Hubertus also doch ein ganz netter… Nach dem langen Tag und dem Film kam uns der Heimweg sehr lang vor, aber wir konnten uns gut ablenken, indem wir so das Verhalten der Jugendlichen analysierten. Wieder bei Spikey angekommen, fielen wir dann recht schnell in die Betten und schliefen dann auch schnell und gut und lang. 
Den Sonntag ließen wir dann sehr ruhig angehen, es gab ziemlich spät Frühstück und unser Spezialmittag, die Blätterteigspinattaschen, nahmen wir dann auch erst nachmittags zu uns… Diesmal sind sie uns aber nicht so gut gelungen, aber das verraten wir hier keinem… Damit endete dann unser langes, wunderschönes, superlustiges Wochenende… Spaßig war es und auf jeden Fall eine Wiederholung wert. Genügend Anmeldungen für den nächsten Tripp an die Nordsee gibt es auch schon und Vielleicht bist genau du beim nächsten Mal auch dabei… Bis dahin bleiben uns die ganzen anderen Abenteuer, die auf uns Klappspaten noch warten…

Ganz großen Dank gilt Itchy Poopzkid für die Inspiration, Friedrichskoog für die pure Existenz, Spikey und Patrick für die wunderprächtige Begleitung und alles sowie dem überraschend guten Wetter…
Keinen Dank an die Spinne in Spikeys Haar.

Donnerstag, 19. August 2010

Burn baby burn!!!


-Itchy Poopzkid auf dem Burning Summer Festival in Ludwigslust am 10.07.2010-



Wettervorhersage für Samstag, den 10.Juli 2010:

-sonnig
-Temperaturen zwischen 35°C / 36°C
-Regenwahrscheinlichkeit 0%
-Wind: nicht vorhanden

Das waren also die Grundbedingungen für das erste Festival in der gesamten Klappspatengeschichte. Außerdem war somit der Name des Festivals Programm, trug eben dieses Festival doch den aberwitzigen Namen „Burning Summer“. Es versprach also heiß, heiß, heiß zu werden.
Naja…im Vorfeld wollten wir unsere Festivalkarten in Lulu bei der Stadtinformation kaufen, da wir durch göttliche Fügung (oder war es dann doch nur Zufall in Form von Laris Geburtstag in Groß Laasch) in eben dieser kleinen aber feinen Stadt waren. Denn so konnten wir die Kosten an der Abendkasse sparen und außerdem ist es ja grundsätzlich auch kein großer Akt, solche Karten zu erwerben…aber HAHA! Denkste! Als wir an dem Samstag vor dem Konzert in die kleine, eher mauselochartige Stadtinformation gingen, traf uns fast der Schlag. Der Mann, der hinter dem Schalter saß, war mindestens schon 80 Jahre. Das konnte ja heiter werden. Wir begannen also in allgemein verständlicher, keinesfalls slangbenutzender Sprache eben diesen Herren zu fragen, ob er Karten für das Burning Summer Festival am kommenden Wochenende habe. Ein irritierter Blick seinerseits ließ keinen Zweifel offen, dass er keine Ahnung hatte, wovon wir sprachen. Nun unternahmen wir einen zweiten Versuch und erklärten ihm noch einmal, worum es ging. Nach einem weiteren verwirrten Blick öffnete er endlich seinen Mund. Wir waren vollkommen darauf eingestellt, dass er uns nun endlich fragte, wie viele Karten wir denn bräuchten und dass das Ganze dann insgesamt 34€ kosten würden. Doch wir wurden bitter enttäuscht, denn was da aus seinem Mund kam, war eine Frage, die es echt in sich hatte. Mit einem ausdruckslosen und wahrscheinlich genervten Blick fragte er uns: „Was ist denn das nun für ein Fest?“ Wir konnten es nicht fassen. Wollte der uns verarschen, war es ihm egal oder was war hier los? Ich erwischte mich dabei, wie ich nach der versteckten Kamera suchte, allerdings keine fand. Beim dritten Versuch setzten wir also noch einmal ganz von vorne an, doch schon bald merkten wir, dass er überhaupt keinen blassen Schimmer hatte, wovon wir redeten. Seine einzige Aussage war dann: „Am Wochenende ist kein Kartenverkauf!“ Bitte was bitte? Hätte er das nicht schon zu Beginn dieser, meines Erachtens, unsinnigen Unterhaltung sagen können? Naja, wir ließen ihn nicht mal richtig ausreden und gingen einfach mit einem „Na dann Tschüß!“ auf den Lippen raus. Also musste Nadine die Karten doch in der Woche in der SCHWERINER Stadtinformation kaufen…so viel zum Thema „Karten kaufen leicht gemacht“.
Wie oben bereits erwähnt, war dies unser erstes Festival…da wir es ja nun nicht gleich übertreiben wollten, gingen wir nur am Samstag hin. Denn 1. spielten Itchy Poopzkid an diesem Tag und 2. waren wir dann doch nicht so erprobt, dass wir uns ein solches Hardcore-Wochenende zugemutet hätten. So war also Samstag, der 10.07.2010, unser Tag.
An eben diesem Samstag machte ich mich zeitig auf den Weg von Wedel nach Schwerin. Obwohl ich nur ganz wenig Stoff am Leib trug, schwitzte ich schon auf diesem Weg von Wedel nach Hamburg wie ein Tier, hoffte aber, dass sich das später geben würde. Nachdem mich Björnski am Hamburger Hauptbahnhof in den Zug Richtung Schwerin um 14.28 Uhr verfrachtete, fuhr ich ganz gechillt (und nebenbei erwähnt: nicht schwitzend) nach Schwerin. Dort allerdings sollte die Phase des Nicht-Transpirierens ein Ende haben. Denn kaum aus dem Zug ausgestiegen, lief das Wasser auch schon in Strömen an meinem Körper herunter und vermischte sich super mit meinen Klamotten. Ich holte mir also für den Fußweg zu Nadine (knappe 20 min.) ein Eis und lief dann los. Hier hat „laufen“ eine mehrfache Bedeutung, denn ich lief und lief und lief, der Schweiß bahnte sich auch seinen Weg auf meinem Körper und das Eis konnte ich nur in flüssiger Form zu mir nehmen. Egal, Weg war gut, Eis war lecker und ich kam dann auch endlich an. Nadine öffnete mir auch sogleich freudig die Tür. Da ich voll verschwitzt war, entschied ich mich, noch einmal kurz duschen zu gehen und mein vollkommen durchtränktes Oberteil der Sonne auszuliefern, wollte ich es doch abends anziehen. Danach packten wir unsere sieben Sachen und schwangen uns kurz vor 17 Uhr in Erna. Auch sie war voller Tatendrang und freute sich sichtlich über die Ausfahrt nach Ludwigslust. Auf der Fahrt begleiteten uns schon die Jungs von Itchy Poopzkid in Form von Musik, welche das Innere des Autos vollkommen einhüllte. Nadine und ich…unserer Zeichens total vernarrt in diese Band…ließen es uns nicht nehmen, lauthals mitzusingen und abzuzappeln. Nebenbei trocknete ich weiter mein Oberteil, indem ich es dem Fahrtwind preisgab. Meine Bedenken, dass ich es während eben dieser Fahrt verlieren könnte, bewahrheiteten sich zum Glück nicht. Jetzt kann man darüber diskutieren, ob der Shirtstoff sehr gut verarbeitet ist oder meine Finger einfach super stark sind. Ich sag einfach mal: meine Finger! Kurz vor Ludwigslust zeigte Nadine ihr fotografisches Gedächtnis und brachte uns ohne einen Umweg oder Verfahren auf direktem Weg zum Festivalgelände. Doch hörten wir, wir waren noch nicht ganz am Ort des Geschehens angekommen, ein seltsames Geräusch, welches sich offensichtlich im Auto befand. Ich drehte mich um, um besagtes Geräusch zu lokalisieren und ließ plötzlich einen ohrenbetäubenden Schrei los. Nadine war verwirrt, aufgeschreckt und taub zugleich. Doch sie fing sich schnell wieder und fragte mich dann, was los sei. Ich sagte nur, sie möge bitte anhalten, denn es befinde sich eine Monsterbremse im Auto. Da ich nicht scharf darauf war, eine ganz fies juckende und brennende Stelle an unseren Körpern von eben diesem Mistvieh zu bekommen, versuchte ich sie im Stillstand des Autos rauszujagen. Das hab ich auch sehr erfolgreich geschafft, mit unseren Konzertkarten wohlbemerkt, somit konnten Nadine und ich beruhigt das letzte Stück fahren und brauchten keine Angst vor einem Angriff aus dem Hinterhalt haben.
Auf dem Gelände angekommen, zogen wir uns fix Schuhe an, packten unsere Oberteile in die Taschen und liefen los in Richtung Kasse. Wir wollten ganz gechillt durch die Kontrolle, doch ließ uns der nette Herr nicht. Aber nicht, weil wir evtl. nicht alt genug sein könnten oder weil wir ihm nicht passten. Nein nein! Wir mussten zur Orga-Kasse (dort, wo das Organisationsteam saß) und uns dort Festivalbändchen abholen. Zu unserer Verteidigung: WIR WAREN NOCH NIE AUF EINEM FESTIVAL! Naja, im Nachhinein muss ich sagen, wir hätten es uns ja denken können. Aber was soll’s! Wir also zur Kasse. Dort standen wir nun und wollten unbedingt unsere Karten gegen Bändchen eintauschen, doch auch hier wurden wir wieder weggeschickt. Langsam fragten wir uns, ob wir ein bisschen dämlich sind. Wir verneinten dies im Stillen und lachten darüber. Als wir nun endlich die richtige Kasse gefunden hatten, bekamen wir auch unsere Bändchen und konnten mit strahlenden Gesichtern durch die Kontrolle aufs Gelände. Dort schauten wir uns erstmal um und erspähten recht schnell den Getränkestand. Da unsere Stimmen aus verschiedenen Gründen doch schon sehr ausgetrocknet waren, entschieden wir uns, diese mit Fanta und Wasser zu benetzen. Während wir es uns an einem Stehtisch bequem gemacht haben und die vielen komischen Leute beobachteten, fielen uns zwei ganz besonders auf. Sibbi und Panzer schleppten eine Wand (an der die Shirts befestigt sind) zum Merch-Stand und bauten ihn nach und nach auf.
Wir schauten dem Treiben eine ganze Weile zu, bis schließlich die erste Band anfing zu spielen. Sie hieß „Destination Anywhere“ und machte richtig gut Poppunk-Musik. Während die 25 Leutchen noch sehr weit weg standen von der Bühne, schaffte es der Sänger der Band innerhalb kürzester Zeit, eben diese kleine Masse bis vor die Bühne zu lotsen. Ehe Nadine und ich uns versahen, standen auch wir vorne und wippten fleißig hin und her. Mensch die waren aber auch gut. Und das sag ich nicht nur so…die haben echt Laune gemacht und hatten ein super Programm aufgestellt. Denn uns gefiel nicht nur, dass sie alle die gleichen stylischen Klamotten trugen, auch die Tatsache, dass zwei Saxophonisten zu dieser Band gehörten, hatte einen Anteil an unserem Gefallen. Doch spielten sie fast eine Stunde und unterhielten jeden einzelnen. Mir gefiel die Band (mal wieder!) so gut, dass ich mich entschied, die CD zu kaufen. Doch ich wäre nicht Spikey, wenn ich die CD direkt vor Ort günstiger erwerben würde. Nein, ich wartete, bis der Merch-Stand abgebaut war und entschied mich somit für den Kauf der CD im Internet. Nach der Band entschieden wir uns, den Jungs von Itchy Poopzkid einen Besuch abzustatten. Dort kaufte ich mir gleich mal einen Button und ein Poster und war somit schon vor dem Auftritt selig. Da ja nichts weiter passierte, brachten wir das Plakat schnell zum Auto. Nadine wies mich auf dem Weg dorthin auf die Tatsache hin, dass ich mir doch ein paar Autogramme von Panzer und Saikov auf das eben gekaufte Plakat geben lassen hätte können. Ich blickte sie verwirrt an und sagte ihr frei heraus, dass ich überhaupt nicht mitbekommen habe, dass die beiden da standen. Anscheinend bin ich ein waschechter Goldfisch. Wie sonst könnte man diese kurzzeitige Amnesie in Form von Personen vergessen noch bezeichnen? Ich schob es mal auf die Aufregung rund ums Festival. Kurz bevor wir am Auto ankamen, wurde ein Typ mit einem Megaphone auf uns aufmerksam. Seine Sprüche „Wollt ihr etwa schon gehen?“ und „Auch wenn du eine Brille trägst, ich find dich trotzdem schön.“ drangen in unsere zarten Ohren. Ich kann dazu nur eines sagen: FAIL!!! So bekommt man keine Mädels rum, vor allem nicht so tolle wie uns. Denn Beleidigungen, die fest in ein Paket von Anmachen geschnürt sind, helfen einfach nicht, das andere Geschlecht von sich zu überzeugen. In diesem Sinne kann ich nur sagen: „Geh mal noch ein bisschen an Barbie und Ken üben, die haben es drauf.“
Die nächsten Bands waren auch außergewöhnlich. Das war es dann aber auch schon mit der Beschreibung. Denn ich meine das nicht unbedingt im positiven Sinne. Die eine Band versuchte krampfhaft „Limp Bizkit“ nachzumachen, allerdings mit nur mäßigem Erfolg. Der Sänger war fast die Kopie von Fred Durst, es fehlte nur noch, dass er auf der Bühne „Keep rollin‘!“ brüllte und dabei wohlgeformte Bewegung a la Fred Durst vollführte. Zum Glück hat er das nicht getan, es blieb uns also erspart. Weitere Bandmitglieder sahen eher aus, als ob sie gerade vom Sport kamen und mal schnell mit ihren Sportklamotten auf die Bühne sprangen und losspielten. 
Naja, wem’s gefällt? Wir haben uns jedenfalls köstlich amüsiert. Eine weitere Band hatte wohl noch nicht so viele Fans, deshalb haben sie kurzerhand ihre Muttis mitgenommen, die auch ganz fleißig den Auftritt ihrer fleißigen Buben filmten. Damit die Jungs dann doch noch ein paar Freunde machten, verteilten sie an das mittlerweile auf 10 Mann geschrumpfte Publikum Eierlikör. Jaja…der Beweis: „Alkohol verbindet Menschen!“ Oder auch nicht. Die Krönung bei dieser Band war allerdings, als sich ein Bandmitglied plötzlich auszog und uns seinen nicht wirklich erotischen Körper vorführte. Nadine und mich überkam im exakt selben Moment ein Brechreiz, den wir krampfhaft zu unterdrücken versuchten. Aber auch das überstanden wir, spielte doch zu eben dieser Zeit die Nationalmannschaft um den 3.Platz…SCHON WIEDER! Geil fanden wir, dass die Veranstalter dieses Festivals extra für dieses Spiel zwei tolle Fernseher auf beiden Seiten der Bühne befestigt hatten. So konnte das Spiel genüsslich verfolgt werden. Die Band, die währenddessen spielte, tat uns dann doch ein bisschen leid.
Oder etwa nicht? Ich weiß es nicht mehr, wir waren zu sehr damit beschäftigt, einem Ordner die perfekte Höhe für die DVBT-Antenne zu erklären, damit wir endlich das Spiel weiter schauen konnten. Somit bekamen wir von der ganzen Sache eigentlich nichts mit. Doch zwischendurch schauten wir immer mal wieder in Richtung „Moshpitchen“ (jaha…das bestand nur aus 5 bzw. 8 Mann), um zu sehen, was eben diese Kindsköpfe da alles so vollführten. Just in diesem Moment hatte ich eine wundervolle Begegnung. Er war groß gewachsen, braun gebrannt und hatte ein wunderschönes Lächeln auf dem Gesicht…und er hieß HANS. Ich war wie verzaubert und schaute ihn an. Unsere Augen trafen sich, er kam auf mich zu. Die Zeit schien still zu stehen. Während er mir unaufhörlich in die Augen sah, nahm er langsam seinen Hut ab. Immernoch hatte er ein Lächeln auf den Lippen. Dann setzte er mir den Hut spielerisch auf und…BAM!!! Er fiel auf den Boden und blieb dort auf dem Rücken liegen, alle viere von sich gestreckt…hm? War er jetzt tot? Oder einfach nur fertig vom Moshpit? Hm, ich schaute Nadine an und wir beide begannen zu lachen. Als er auch zu lachen begann, war ich dann doch ein wenig beruhigt. Wollte ich doch nicht, dass ich jemanden, nur weil ich ihn kurz anschaute, umbringe. Zum Glück, er lebte, die Zeit lief weiter und der Ball rollte auf dem Spielfeld. Ich gab ihm seinen Hut wieder und dachte mir nur: „Man ist der fertig, aber lustiger Kerl!“
Während also das Fußballspiel so lief, spielte eben diese Eierlikör und Muttis mitbringende Band. Diese Band war ne arme Sau, „Du bist ne arme Sau!“ Aber das ließ sich nun mal nicht ändern, wir waren wie hypnotisiert und bekamen überhaupt nicht mit, dass sie gegen 21.45 Uhr endlich fertig waren. Als wir einen kurzen Blick auf die Bühne warfen und entdeckten, dass schon alles für den Auftritt von Itchy Poopzkid vorbereitet wird, überlegten wir nicht lange und stellten uns vorne an die Absperrung. Wir wollten doch wieder ganz vorne stehen und somit in den Orbit der Jungs gelangen. Außerdem konnten wir auch von dieser Position gemütlich weiter das Spiel verfolgen. Naja, gemütlich? Wenn man den Kopf so verrenken muss, dass er fast in einer Position von 45° zum Oberkörper verharrt, und dabei noch jubeln kann, sobald ein Tor fällt, ist das gemütlich. Itchy Poopzkid waren dann so nett und fingen erst nach dem Spiel an mit ihrem Auftritt. Oder war es reiner Eigennutz, da sie das Spiel auch verfolgten? Egal, wir haben uns eingebildet, es sei einfach nur für die ganzen Fans.
Nach dem Spiel ging es dann auch endlich los. Das Licht ging aus, das Intro setzte wie immer ein, ich bekam wie immer eine Gänsehaut und die anderen kreischten los. Saikov kam rein, setzte sich an seine Drums und dann kamen endlich Sibbi und Panzer, um dem langen Warten eine Ende zu bereiten. Sie spielten wieder mal richtig geil.
Wir hüpften, tanzten, sangen und grölten mit. Doch ein Itchy-Poopkzid-Auftritt wäre nichts, ohne gewisse Vorfälle. Denn das eine Mal hätte Sibbi fast durch einen ungewollten Spagat (den er zum Glück nicht machte) den Boden geküsst. Gottlob ging alles gut und er war oben auf. Doch nur ein paar Minuten später wurde er von einer Monstermotte attackiert. Als er sie ihm letzten Moment erspähte, vollführte er seinen…ich will einfach mal behaupten…vorher einstudierten Matrix-Move, um ihr noch schnell auszuweichen. Doch er stand sichtlich unter Schock und lachte sich kaputt, während Panzer und Saikov sich fragen, (wahrscheinlich O-Ton) was der Haffe denn jetzt schon wieder für einen Bockmist verzapft habe. Lange Rede kurzer Sinn, er setzte wieder beim noch nicht gesungenen Text ein und brachte das Lied souverän über die Bühne. 
Weiterhin gab es für die Nicht-Trinker endlich mal Bier. Das hat dann auch Nadine wahrgenommen, offensichtlich wollte sie in den Genuss dieses Gesöffs kommen. Denn während Sibbi und Panzer alle aufforderten, die berühmt-berüchtigte Wall of Death zu machen, drehten wir uns einfach nur in eben diese Richtung. Als alle voller Elan aufeinander zu liefen, flog eine Bierdose in die Luft. Nadine sah es und hielt dafür extra gut ihren Oberkörper samt Oberteil sowie ihre Kamera hin. Die Bierdusche war perfekt.
Da sie aber dann doch merkte, dass Bier nicht ihr Ding ist, ist sie schnell wieder vom Alkohol abgekommen. Somit kann man sagen, dass Nadine nun auch für mindestens 2 Sekunden Alkohol-Trinker war. Was für ein Erlebnis! Für mich sollte bei diesem Auftritt auch noch ein Erlebnis eintreffen. Und das in Form eines Jungen. Dieser wollte permanent, dass ich ihn mit seiner Freundin, welcher das Ganze wahrscheinlich extrem peinlich war, fotografiere. Nach langem Diskutieren gab ich nach und lichtete ihn mit seiner Freundin ab. Doch damit nicht genug, er hielt mich wahrscheinlich für eine professionelle Fotografin, was ihn dazu veranlasste, seine Drecksgriffel ständig vor meine Linse zu halten und sich somit meine Aufmerksamkeit zu sichern. Hat er auch geschafft, denn ich war mehr als stinksauer, dass ich die supercoolen Sprünge von Sibbi und Panzer aufgrund seiner Hand nicht fotografieren konnte. Am liebsten hätte ich ihn erwürgt. Aber ich hab es lieber sein lassen, wollte ich doch nicht abgeführt werden.
Ein weiteres Highlight bei diesem Konzert war der intensive Augenkontakt von Panzer und mir. Normalerweise würde ich sagen, dass es nur Zufall war, dass er genau in die Richtung geschaut hat, aber es waren mindestens 5 Sekunden und am Ende hat er mir auch noch zugezwinkert. Also hat er mich angeschaut…jippie! Ich mach noch immer imaginäre Luftsprünge, wenn ich dran denke. Kurz vor Schluss spielten sie, wie immer, „Tricky“…Nadine und ich waren auch dieses Mal vollends begeistert und sind auch jetzt noch der Meinung, dass dieser Song den Abend perfekt gemacht hat.
Nach dem Auftritt der Jungs gingen wir sofort zum Merch-Stand, da sich Nadine ein neues Shirt kaufen musste. Sie fand es nämlich nicht so geil, in einem Bier getränkten Shirt rumzulaufen. Irgendwie hat sie da ja auch recht. Außerdem erhaschten wir endlich ein Foto mit Saikov...jetzt ist unsere Sammlung komplett.
So zogen wir unseren Kreis und sind also erstmal zum Stand, um danach zum Getränke- und Würstchenstand zu gehen. Wir hatten Durst und ich hatte Hunger. Unsere Runde schloss sich, als wir wieder am Merch-Stand ankamen und sahen, dass der Stand rechts daneben schon leer war. Also entschieden wir uns, uns auf die Tische zu setzen und die letzte Band von einer großen Entfernung aus anzuschauen und anzuhören. Das war auch bitter nötig, denn der Sänger der Band C.O.R. war ein überzeugter Metall-Prophet. Zu jedem Song hatte er erstmal eine biblisch anmutende Ansage zu machen, die im Großen und Ganzen die folgenden Themen hatte: gegen Kapitalismus, für Gleichheit der Menschen, gegen die Heuchelei in der Gesellschaft, für Rebellion. Hm, normalerweise hätten wir nichts großartig dagegen gehabt, wenn er nicht genau diese Sachen selbst nicht einhält. Denn im Endeffekt, bekommt die ganze Band Gage für den Auftritt, ist somit besser als die anderen Menschen auf dem Festival (da diese für den Auftritt Geld blechen müssen), das bedeutet, dass sie sich selbst etwas vormachen und eigentlich überhaupt nicht gegen irgendetwas aufbegehren. Also voll die Luftnummer…immer das gleiche.
Wir verlagerten unser Interesse von eben dieser Band auf das Beobachten von Balzritualen bei Menschen. Hier machten wir zwar keine neuen Entdeckungen, aber es war trotzdem sehr amüsant. Denn es war interessant, ein menschliches Wesen bei dem Werben um das jeweils andere Geschlecht anzuschauen. Doch nun zum eigentlich Fall. Es begab sich, dass Mann und Frau sehr schnell zusammenfanden. Wenn man jetzt denkt, das Werben um das andere Geschlecht zu kennen, der hat sich gewaltig geirrt. Denn während Schöne-Augen-machen, Lippenbekenntnisse, gelegentliche Berührungen und ständiges Umkreisen des anderen Partners anscheinend noch aus der Steinzeit zu stammen scheinen, breitete sich ein neumodisches Verhalten bei beiden Balzpartnern aus. Denn immer wieder verschwand das männliche Wesen und ließ das weibliche öfter mal stehen. Bis zu viermal wiederholte sich dieser Vorgang des Alleine-lassen. Doch so wie es aussah, schien das Frau nichts auszumachen. Denn sie war sehr geduldig und wartete fleißig darauf, dass Mann wiederkam. Anscheinend schien dieses Vorgehen zu fruchten, denn je länger das männliche Wesen mit Abwesenheit glänzte, desto aufgeregter wurde das weibliche Pendant, auch wenn das aufgrund der verschränkten Arme nicht auf den ersten Blick zu erkennen war. Nach langem Warten war es dann endlich so weit, beide verschwanden (zwar nicht eng umschlungen), aber sie verschwanden. Den Rest kann man sich ja denken. Solche Stalker waren wir dann doch nicht, dass wir genau wissen, wie es weiter ging. Wollten wir auch ehrlich gesagt nicht. Somit haben unsere Beobachtungen lediglich ergeben, dass dieses Balzverhalten anscheinend sehr üblich ist. Also vergesst alles, was ihr bis jetzt über das Flirten wusstet und macht es diesem Manne nach!
Doch zum Schluss noch eine wichtige Sache. Beobachtet niemals Menschen, ohne euer eigenes Umfeld immer im Augenwinkel zu haben! Denn das haben auch Nadine und ich beim Sitzen auf eben diesen Tischen nicht getan. Wir waren damit beschäftigt, ein kleines, unscheinbares Mädchen mit einem Poster, einem Edding und einem hoffnungsvollen Blick zu beobachten. Denn eben diese Mädel wollte unbedingt ein Autogramm von Sibbi erhaschen, traute sich aber in einer halben Stunde nicht einmal, Sibbi anzusprechen geschweige denn anzuschauen. Und das erschien uns als eigentlich unmögliches Unterfangen, stand Sibbi doch immer wieder neben ihr. Es boten sich also unzählige Gelegenheiten, die sie alle immer wieder ungenutzt verstreichen ließ. Ich bekam richtig Mitleid und wäre fast aufgesprungen, um die Autogrammjagd für sie zu übernehmen. Tat ich dann aber nicht. Während wir also so dasaßen und beobachteten, wurden wir plötzlich beschossen. Eine Zeltschnur schoss mitsamt Haken zum Festmachen auf uns zu. Wir bemerkten von alledem nichts; erst, als wir spürten, wie sich besagte Schnur um unseren Hals schlang, gerieten wir allmählich in Panik. Wir schrien auf und fassten uns an den Hals. Nachdem wir uns aus den Fängen der Todesschnur befreit hatten, fingen wir auch schon an zu lachen. Ein Attentat dieser Art konnte auch nur uns passieren. Doch waren wir beide froh, dass nichts weiter passiert ist.
Irgendwann so gegen 1Uhr machten wir uns mit unseren geschundenen Körpern dann endlich auf den Heimweg. Trotz unserer nicht mehr vorhandenen Stimmen sangen wir lauthals zu Pinksnotred mit. Wir vertrieben somit die langweilige Zeit aus dem Auto. Nadine entschied sich, noch schnell bei sich unter die Dusche zu hüpfen. Das war auch bitter nötig, bestand unser Körper nur noch aus Staub, Schweiß, einem Funken Müdigkeit sowie einer riesigen Portion Glückseligkeit. Staub und Schweiß ließen sich schnell abwaschen, die Müdigkeit jedoch blieb und die Glückseligkeit zum Glück auch. Danach schmiss mich Nadine in Seehof raus, entschied sich allerdings, noch kurz mit reinzukommen. Denn wir mussten noch die Festivalbändchen soweit präparieren, dass sie auch für die Gesellschaft tauglich waren. Eine Schere und ein Feuerzeug sollten uns dabei helfen. Nach getaner Arbeit schwang sich Nadine wieder in ihre Erna und ich ging endlich duschen, um alle Zeichen des schweißtreibenden Tages von meinem Körper zu waschen. Während Nadine zu ihren Eltern fuhr, mit ihnen frühstückte und bis um 5 Uhr im Internet rumlief, machte ich es mir im Wohnzimmer gemütlich. Ich wollte unbedingt noch „Zurück in die Zukunft“ schauen. Hab ich auch getan, fünfmal in den nächsten 7 Stunden. Allerdings habe ich die meiste Zeit geschlafen, trotzdem habe ich den Film in Etappen komplett gesehen. An dieser Stelle ging ein ereignisreicher, lustiger, aufregender Tag zu Ende.

Unser besonderer Dank gilt: Itchy Poopzkid, die mal wieder zeigten, dass auch sie Batman sind, Destination Anywhere (sie haben mein Herz in kürzester Zeit gewonnen), dem Getränkestand, der uns mit dem kühlen Nass in Form von Wasser an diesem heißen Tag unterstützte, dem Orga-Team des Burning Summer Festival, Hans und dem Wetter.

Keinen Dank geht an: die Bremse, die mich zu Tode erschreckt hat, die Bierdose + Werfer, die Zeltschnur, den fotografiesüchtigen Typen und an C.O.R.